Wohngebiet ?

Wohngebiet ?

Beitragvon Zweifler am 10.10.2008, 17:27

Was bezweckst Du mit dem Wohngebiet?
Die Rückschau auf die Bespitzelung durch die Nachbarschaft?

Oder was machte die SED im Wohngebiet?

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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon otschen am 03.05.2010, 21:51

Im Wohngebiet war die SED und deren Machtapparat selbstverständlich vertreten.
Als erster offizieller Aspekt fällt mir der ABV ein. ABV ist sie Abkürzung für Abschnittsbevollmächtigter. Das war ein Beamter in Polizeiuniform, der eine Art Ansprechpartner für die Bürger war, ähnlich wie ein Pfarrer der Seelsorger der Gemeinde ist. Man konnte Probleme und Beschwerden an ihn antragen und er kümmerte sich dann darum.Der ABV kontrollierte auch die Hausbücher, die auch wieder von parteilichen Mietern geführt werden mussten. Insbesondere wurde kontrolliert, wenn jemand über mehrere Tage verwandtschaftlichen Besuch aus dem Westen beherbergte, ob der darin eingetragen war.
Natürlich gab es auch Überwachung durch den Staatsicherheitsdienst. Mir selbst ist aufgefallen, wie ein älteres Ehepaar regelmäßig im Vorfeld der Staatsfeiertage durchs Neubaugebiet ging und genauestens registrierte, wer keine Fahne aus seinem Fenster gehisst hatte. 8)
Auch wurden Hausfeste manchmal von der SED finanziell unterstützt, besonders wenn sie eine große Personenanzahl betrafen und sich etwas Propaganda und Agitation lohnte. Oft wurden dabei auch besonders aktive Mitarbeiter bei den Subbotniks zur Verschönerung des Wohngebietes ausgezeichnet.
Dann gab es auch noch den Ortsparteisekretär.
Der Bürgermeister war aber nicht zwingend immer ein SED Mitglied. Ich kenne einen Fall aus meinem Heimatort, wo die CDU den Bürgermeister stellte. Aber ich glaube, das war nur im Erzgebirge möglich und gibt sicher manchem hier im Forum eine Steilvorlage, dass die Wahlen in der DDR doch Freie gewesen seien. :roll:
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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon bummi am 03.05.2010, 22:15

Wahlen und die dazugehörigen Parteien sind immer im Interesse der jeweiligen Machthaber, @otschen.
Das möchte doch bitte im Arbeiter- und Bauernstaat auch so gehandhabt werden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, daß im Sozialismus die Mehrheit der Bevölkerung, teilweise
auch un- oder unterbewußt, die Mehrheit stellt. Die Führung des Landes oder Staates ist
vielleicht etwas sachlicher und weniger spektakulär als ihr Pendant feudaler und bürgerlicher
Machart. Der Staat ist aber weitgehend ausbeutungsfrei.

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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon Ostler am 04.05.2010, 08:46

@Zweifler

Ein Wohngebiet hatte eine Grundorganisation der SED. Basisarbeit, wichtige Arbeit.
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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon bummi am 07.05.2010, 21:03

bummi hat geschrieben:Wahlen und die dazugehörigen Parteien sind immer im Interesse der jeweiligen Machthaber, @otschen.
Das möchte doch bitte im Arbeiter- und Bauernstaat auch so gehandhabt werden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, daß im Sozialismus die Mehrheit der Bevölkerung, teilweise
auch un- oder unterbewußt, die Mehrheit stellt. Die Führung des Landes oder Staates ist
vielleicht etwas sachlicher und weniger spektakulär als ihr Pendant feudaler und bürgerlicher
Machart. Der Staat ist aber weitgehend ausbeutungsfrei.

kh


Ich wollt das nur mal korrigieren:

Wahlen und die dazugehörigen Parteien sind immer im Interesse der jeweiligen Machthaber, @otschen.
Das möchte doch bitte im Arbeiter- und Bauernstaat auch so gehandhabt werden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, daß im Sozialismus die Mehrheit der Bevölkerung, teilweise
auch un- oder unterbewußt, die Machtshaber stellt. Die Führung des Landes oder Staates ist
vielleicht etwas sachlicher und weniger spektakulär als ihr Pendant feudaler und bürgerlicher
Machart. Der Staat ist aber weitgehend ausbeutungsfrei.

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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon otschen am 20.05.2010, 21:03

bummi hat geschrieben:
bummi hat geschrieben:Wahlen und die dazugehörigen Parteien sind immer im Interesse der jeweiligen Machthaber, @otschen.
Das möchte doch bitte im Arbeiter- und Bauernstaat auch so gehandhabt werden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, daß im Sozialismus die Mehrheit der Bevölkerung, teilweise
auch un- oder unterbewußt, die Mehrheit stellt. Die Führung des Landes oder Staates ist
vielleicht etwas sachlicher und weniger spektakulär als ihr Pendant feudaler und bürgerlicher
Machart. Der Staat ist aber weitgehend ausbeutungsfrei.

kh


Ich wollt das nur mal korrigieren:

Wahlen und die dazugehörigen Parteien sind immer im Interesse der jeweiligen Machthaber, @otschen.
Das möchte doch bitte im Arbeiter- und Bauernstaat auch so gehandhabt werden.
Der kleine Unterschied ist vielleicht, daß im Sozialismus die Mehrheit der Bevölkerung, teilweise
auch un- oder unterbewußt, die Machtshaber stellt. Die Führung des Landes oder Staates ist
vielleicht etwas sachlicher und weniger spektakulär als ihr Pendant feudaler und bürgerlicher
Machart. Der Staat ist aber weitgehend ausbeutungsfrei.

kh


@ bummi,
auch wenn Du das Ganze noch ein drittes Mal wiederholst, wird es nicht gescheiter. Du bekommst allerdings einen weiteren Beitrag angerechnet.
Zum Wohl!
Aber um wieder zum Thema zu kommen, noch ein Beitrag zum Ortsparteisekretär auf meinem Heimatdorf. Ich wurde als Schuljunge Ohrenzeuge einer Auseinandersetzung zwischen dem Pfarrer und eben diesem Ortsparteisekretär. Worum es ursächlich ging weiß ich nicht mehr, aber ich bekam mit, dass sich der Pfarrer beim OPS beklagte, weil dieser den sonntäglichen Gottesdienst nicht besuchte. Darauf der OPS zum Pfarrer: "Wenn Sie zur Wahl gehen komme ich auch zur Predigt!"
Wie sich die beiden dann verhalten haben, weiß ich nicht, lässt sich aber denken.
Diese schlagfertige und einprägsame Antwort ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Zeugt doch diese eigentlich belanglose Episode vom zerklüfteten Verhältnis zwischen Partei und Kirche auf dem Lande und beider Kampf um die Bewohner des Ortes.
In diesem Zusammenhang kam es auch in der Schule bei den Schülern zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Konfirmanten und Jugendweihlingen. Ich habe es erlebt, dass in der Singstunde die Konfirmanten sich weigerten, ein bestimmtes Lied zu mitzusingen (" Oh Brüder weint und betet nicht mehr, Hilfe kommt uns nicht von dorther" in etwa ging der Text) Da musste dann sogar der Rektor geholt werden. Wenn man so will, ein erster zaghafter Widerstand in einem Dorf Ende der 1960er Jahre, der aber für diejenigen Verweigerer keine ernsthaften Folgen hatte. Vielleicht wurde der Pfarrer deswegen mal angesprochen, weil man ihn als Anstifter des geschlossenen Verhaltens der Konfirmanten vermutete.
otschen
 

Re: Wohngebiet ?

Beitragvon Ostler am 21.05.2010, 08:40

Zeugt doch diese eigentlich belanglose Episode vom zerklüfteten Verhältnis zwischen Partei und Kirche auf dem Lande und beider Kampf um die Bewohner des Ortes.


otschen,

deine Erinnerungen in allen Ehren , aber mach doch deine Erlebnisse wenn sie so gewesen sein mögen, nicht gleich immer zur einer Allgemeinbeschreibung der Verhältnisse in der DDR . Das Verhältnis Kirche und SED war gar nicht so problematisch wie es heute, vor allem von den Kirchen dargestellt wird. Da gab es viele Schnittstellen, gerade nach den Erfahrungen mit dem Faschismus. Es gab Pfarrer die nach 89 sagten, man habe sich zu wenig für den Sozialismus eingesetzt. Aber das ist alles ein eigenes Thema.

PS. Der Kirchenbesitz wurde sogar von der Bodenreform ausgenommen soviel ich weiß.

Religion in der 49-Verfassung der DDR

http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html#b5
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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon bummi am 21.05.2010, 09:17

@otschen, der Beitrag kommt mir bissl dahergezaubert vor.
Nicht nur das!

Hätte die SED die Kirche gebraucht, um z.b. massenhaft Arbeitslose, arme Schweine und
Kriegstode zu beklagen, hätte sie der Kirche auch den Salär eingetrieben, wie
im aktuellen Deuschland und in der BRD früher.
Die KIrche war aber so, wirklich frei in der DDR. Jede Glaubengemeinschaft konnte
ihr Anliegen selbst formulieren und ihre Mitglieder pflegen. Das galt auch für
Kirchenbeiträge etc..Damit war nicht deren Kontrolle hinfällig. Sie war es auch nicht.
Belege dafür kann ich kaum beschaffen. Weil ich "ungläubig" bin.
In unserer Nähe gab es Mormonen, Bibelforscher, Katholiken, Evangeliken;
um Juden, Buddisten, Ortodoxe und Muslime nicht zu vergessen!
Ich könnte mich nicht entsinnen, daß deren Mitglieder in irgendeiner Weise,
auf Arbeit oder im Leben, benachteiligt wurden. Sie wurden sicher, bei offenem
Bekenntnis oder "Werbehandlungen", etwas distanziert behandelt. Wohl eher ihrer Ansichten wegen.
Der schlagkräftigste Beweis für die Glaubensfreiheit war die Wendezeit.
Zeitweise dachte man, die Volkskammer wäre ein "Tempel!"
In der Volkskammer habe ich zur Wendezeit keinen Arbeiter entdeckt.
Zumindest nicht in der prozentualen Zusammensetzung, wie sie in der Gesellschaft vorhanden war.
Und das ist doch wohl eher "die wahre Demokratie" der heutigen Tage.
Man muß nur bissl ausschlafen:-)))

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Re: Wohngebiet ?

Beitragvon otschen am 21.05.2010, 17:46

Ostler hat geschrieben:


otschen,

deine Erinnerungen in allen Ehren , aber mach doch deine Erlebnisse wenn sie so gewesen sein mögen, nicht gleich immer zur einer Allgemeinbeschreibung der Verhältnisse in der DDR .
....

PS. Der Kirchenbesitz wurde sogar von der Bodenreform ausgenommen soviel ich weiß.

Religion in der 49-Verfassung der DDR

http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html#b5


Hallo Ostler, meine Erlebnisse werde ich immer wieder - so sie mir einfallen und her passen - anführen. Die Schlussfolgerungen, die ich daraus ziehe werde ich natürlich auch vortragen. Darüber zu diskutieren sind wir hier im Forum. Wenn dir meine Erlebnisse nicht gefallen, solltest du es hier öffentlich sagen - du bist der Chef! Ich schätze dich als coolen Forumsleiter, der nicht gleich nach der ersten Entgleisung einen User rauswirft, und dessen Schulter breit und stark für Differenzen ist. Wenn ich Erlebnisse schreibe, die mitunter Jahrzehnte zurück liegen, dann nur, weil sie mir in Erinnerung sind, gerade weil sie in der damaligen Zeit typisch waren und man sie deshalb verallgemeinern kann.
Meine Erlebnisse beziehen sich auf den DDR Alltag des kleinen Mannes, so wie ich ihn erlebt habe, und ich habe ein gutes Gedächtnis - der Quell ist also noch lange nicht versiegt.
Mit Abenteuern an der der Trasse - Nach der Art der Romanfigur Pawel Kortschagin in dem Buch "Wie der Stahl gehärtet wurde" - oder dem heldenhaften Kampf beim Wachregiment F. Tzerschinsky kann ich leider nicht dienen.
Nein ich bringe die Sorgen und Erlebnisse des einfachen Menschen - des Plebs, wie hochnäsige "Genossen" diese nannten. Befremdlich ist es nur, dass diese hochnäsige Arroganz auch in diesem Forum zu wachsen beginnt. Ich meinte, nach 20 Jahren des Debakels wäre dieses Attribut überwunden.
otschen
 


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