In der Schule

In der Schule

Beitragvon otschen am 04.05.2010, 17:45

Ich besuchte die Schule in den 60er Jahren. Ab der zweiten Klasse wurde man Junger Pionier und bekam das blaue Halstuch, das uns die Mutti um den Hals band. Den Pionierknoten lernte ich nie richtig binden - ich kann bis heute auch keine Krawatte selbst binden.
Ab fünfter Klasse konnte man wohl auch ein kleiner Funktionär in der Pionierorganisation werden. Ich wurde zunächst Beitragskassierer. Im nächsten Jahr stieg ich auf zum stellvertretenden Gruppenratsvorsitzenden und im darauf folgenden Schuljahr zum Gruppenratsvorsitzenden selbst. Inzwischen wurde aus uns Jungen Pionieren Thälmannpioniere und wir trugen rote Pionierhalstücher.
In der 8. Klasse traten die meisten in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) ein. Da gab es bei uns auf der Dorfschule - ja es gab in fast jedem Dorf eine eigene Schule - auch schon Klassenstreitereien zwischen Jugendweihlingen und Konfirmanten. Das FDJ Hemd zu tragen war noch keine Pflicht, aber erwünscht. Diese Hemden gab es in einem Kleiderladen in der Kreisstadt zu kaufen zu einem Pauschalpreis von 10,- DDR Mark.
Ich nahm mein Erspartes und kaufte mir so ein FDJ Hemd, weil ich inzwischen "Freundschaftsratsvorsitzender" geworden war, das Höchste, was man auf einer Dorfschule werden konnte. Somit war ich auch der Erste, der auf unserer Schule ein FDJ Hemd trug. Noch heute erinnere ich mich an das Getuschel der Mädchen, als ich mit meinem FDJ Hemd den Speisesaal der Schule betrat.

Später lernte ich dann von der 9. bis zur 12. Klasse auf der EOS in der Kreisstadt. Dort war meine steile politische Karriere :wink: beendet. Ich war nur noch FDJ Mitglied - Funktionen erhielten andere.
otschen
 

Re: In der Schule

Beitragvon Zweifler am 04.05.2010, 18:58

Ich besuchte die POS auch in den 60er Jahren. Genauer gesagt von 1957 an.

Aber Pionier wollte ich nie werden. Ein Einzelgänger wie ich es immer war, der wollte nicht mit anderen mitziehen.

Mitwochs war jede Woche Pioniernachmittag. Für die Pioniere war dieser Nachmittag Pflicht. Nicht für mich. Sie sammelten beispielsweise Steine. Steine für die Mole in Rostock. Vielleicht kann sich da noch jemand dran erinnern. Sie sammelten auch Zeitungen und Flaschen und Gläser. Diese Altstoffe wurde abgegeben und die erhaltenen Groschen kamen in die Klassenkasse.

Mein Vater war mir immer deswegen böse, dass ich nicht so anpassungsfähig war wie meine Geschwister. Er war immerhin ein Macher, meine verantwortlicher Genosse, und hatte da jemanden zu Hause, der eigene Gedanken hatte und sich gegen das System sperrte.

Die Quittung kam dann als es um den EOS-Besuch ging. Man stellte mich vor die Alternative. In die FDJ eintreten und Abitur machen dürfen oder keine FDJ, dann auch kein Abitur. Damit wurde mein Widerstand nur noch größer. Ich machte meinen Weg trotzdem, wenn auch auf Umwegen.

Mein Fazit heut ist: Anpassen um jeden Preis werde ich mich niemals. Werde mir immer ein waches Auge und offenes Ohr bewahren. Bis zum letzten meiner Tage.
„Die Macht der kleinen Leute liegt in ihrer großen Zahl“
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Re: In der Schule

Beitragvon otschen am 04.05.2010, 19:25

Hallo Zweifler,
warst halt ein bischen ein Eigenbrödler? :wink:
Ja ich muss sagen, diese Pioniernachmittage waren eigentlich schöne Nachmittage. Dass wir mal hätten produktiv arbeiten sollen, daran könnte ich mich eigentlich gar nicht mehr erinnern ...
Ich bin einmal auf Drängen eines Mischülers und aus Neugier nach der Schule auf die andere Straßenseite mit ins Pfarrhaus zum Gottesdienst gegangen. Da war es auch schön. Zuerst mussten wir das Pioniertuch ablegen und in die Schulmappe verstauen. Dann haben wir Gottes Geschöpfe gemalt: Tiere und (Strich-) Männeln. :) Als meine Eltern davon erfuhren, untersagten sie mir weitere Besuche beim Pfarrer.
otschen
 

Re: In der Schule

Beitragvon bummi am 04.05.2010, 23:42

Ich war weder Pionier, noch Thälmann - Pionier, noch FDJler.
Oh - ja, später FDJler; als Freund der FDJ.
Subbotniks hab ich dutzendweise mitgemacht:
Waldbruch im Erzgebirge,
Winterhilfe im Tagebau,
Aufforsthilfe im Erzgebirge,
Neubaubepflanzungen, Braunkohletagebaubepflanzungen,
Erdgastrasse,
Staudammbau im Erzgebirge.
Im Laufe des DDR - Lebens durfte ich das Kapital zweimal lesen, das Manifest auch.
Und aus heutiger Sicht - das Gelesene mit dem Leben vergleichen.
Gewonnen hat...das Gelesene und, mit etwas Wehmut, das Gewesene:-)))

kh
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Re: In der Schule

Beitragvon Daniel1994GER am 04.09.2010, 08:15

Klingt nett^^

tja, heute ist das Schulsystem ganz nach Lenins Spruch:"Lernen, Lernen und nochmals Lernen" angelehnt, dies ist aber zu 100% Wörtlich zu nehmen, meine Grundschulzeit, war dennoch ganz schön. Von halb 8 bis 13-14 Uhr Unterricht, dann noch so 2-3 Stunden Hausaufgaben. Da blieb nie viel Zeit, für Freunde, ich habe sie mir aber einfach genommen :D:D das habe ich eigendlich bis zur 9ten Klasse so gemacht, bei den Mathe Hausaufgaben, wurden die Ergenisse geschätzt, andere HA wurden in Stichpunkten beantwortet usw. Jetzt, wo ich auf dem Fachgymnasium für Informationstechnik bin, denke ich, das ich mir das nicht mehr erlauben kann und weil ich nach dem Sozialismus lebe, werde ich "Lernen, Lernen und nochmals Lernen", so wie bereits in der 10 Klasse ;)
Hoffe nur, das ich das auch schaffe (das Abi, nicht das mit dem Lernen :D). Klassensprecher, Schulsprecher (die Ränge, die man heute bekommen könnte), habe ich nie angenommen - keine Lust

beste Grüße

Daniel
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